Campthewilds
Mein Abenteuer

Mein Abenteuer

Willkommen bei meinen Tagesberichten! Hier könnt ihr mein Norwegen-Abenteuer im Herbst 2025 Tag für Tag zurückverfolgen. Mein Name ist Jonas, ich liebe die Natur über alles, und auf dieser Seite möchte ich euch mit auf meine Reise nehmen – hinein in endlose Wälder, vorbei an rauschenden Wasserfällen und hinauf auf verschneite Berge.

Alles begann mit einer spontanen Idee unter Freunden im Sommer 2025. Wir wollten gemeinsam Urlaub machen, doch wohin? Sonne und Strand? Berge und Gipfel? Oder lieber Städtetrip? Irgendwann kam Norwegen ins Spiel – ein Land, das uns schon seit Jahren faszinierte, welches wir aber geplant bekommen hatten, da immer etwas dazwischen gekommen war. Die Begeisterung war diesmal sofort da: Hier wollten wir hin, mitten in die Wildnis.

Es sollte nämlich kein gewöhnlicher Urlaub werden. Kein Hotel, keine Ferienwohnung – wir wollten die Natur wirklich spüren. Unser Plan: ein Roadtrip mit Wanderungen, Nächten im Zelt und unter freiem Himmel, weit weg vom Alltag. Für uns als Studenten war das gleichzeitig die günstigste Möglichkeit, dieses Land zu erleben.

Die größte Herausforderung war die Ausrüstung: Zelte, Schlafsäcke, wetterfeste Kleidung – alles musste passen. Aber diese Investition hat sich gelohnt, denn jedes Teil begleitet uns hoffentlich auf vielen weiteren Trips. Wer neugierig ist: Auf einer separaten Seite findet ihr unsere komplette Ausrüstungsliste mit Empfehlungen, Tipps und kleinen Tricks, die den Aufenthalt in der Wildnis noch schöner machen.

Bereit, die Natur mit uns zu erleben? Dann begleitet uns auf jedem Schritt durch dieses unvergessliche Abenteuer. Zuerst findet ihr eine Karte mit dem ungefähren Routenverlauf innerhalb Norwegens und danach zum Nachlesen Berichte der einzelnen Tage. Viel Spaß!

Tag 1: Tag der Abreise- mit dem Auto nach Hirtshals

Donnerstag, 16. Oktober: Früh am Morgen starteten wir vier – meine beiden Freunde Tom und Hendrik, meine Partnerin Lena und meine Wenigkeit – von Sundern im Sauerland Richtung Hirtshals in Dänemark, um die Autofähre zu erreichen. Nach etwa zehn Stunden Fahrt inklusive Pausen kamen wir sogar überpünktlich an – bei strahlendem Wetter.

Um uns vor der langen Fährüberfahrt noch ein wenig die Beine zu vertreten, hielten wir nur wenige Meter vom Fährableger entfernt auf einem kleinen Parkplatz an und spazierten ein Stück am fast menschenleeren Strand entlang. Dank der Nebensaison war es auch am gesamten Fährhafen sowie auf der Fähre angenehm ruhig. So verlief selbst die Ticketkontrolle völlig stressfrei, und bald darauf konnten wir auf die Fähre fahren.

Ein kleiner Tipp: Es lohnt sich, die Tickets vorher online zu buchen. Wir buchten vier Ruhesessel dazu – die günstigste Alternative, um die Nacht auf der knapp 18-stündigen Überfahrt nach Bergen zu verbringen. Wer es etwas komfortabler mag, kann aber auch eine Kabine reservieren. Mit einer Portion Instant-Nudeln – wir verzichteten auf ein teures Abendessen an Bord- ließen wir den Abend ausklingen und verbrachten dann die Nacht in unseren Ruhesesseln.

Tag 2: Bergen und die erste Nacht im Freien

Freitag, 17. Oktober: Die Nacht auf der Fähre war aufgrund des etwas stärkeren Seegangs zwar nicht ganz so erholsam wie gehofft, aber insgesamt durchaus auszuhalten. Dafür entschädigte uns am Morgen ein beeindruckender Sonnenaufgang. Bei strahlendem Wetter glitten wir an der Küste entlang Richtung Bergen und legten schließlich gegen 13 Uhr im Hafen an.

Nach unserer Ankunft mussten wir noch den norwegischen Zoll passieren und erklären, was wir in Norwegen vorhatten. Der Beamte überlegte kurz, winkte uns dann aber glücklicherweise ohne weitere Kontrolle durch. Nun stand für uns erst einmal ein kleiner Stadtrundgang durch Bergen an: vorbei an den alten, bunten Holzhäusern am Hafen, durch die lebendige Innenstadt mit ihren vielen Restaurants und Geschäften und weiter bis zur Fløibanen, der Standseilbahn, die in wenigen Minuten hinauf zur Bergstation mit weitem Blick über Bergen fährt. Eine Fahrt ersparten wir uns an diesem Tag – wir waren hungrig, und außerdem wollten wir noch vor Sonnenuntergang einen Platz zum Übernachten finden.

Nach einem kurzen Stopp in einem typisch norwegischen Restaurant ging es mit dem Auto weiter in Richtung unseres Ziels für den nächsten Tag: dem Vøringfossen. Die Strecke führte uns bei weiterhin bestem Wetter entlang malerischer Fjordstraßen und vorbei an eindrucksvollen Wasserfällen. Immer wieder hielten wir an, um die Landschaft zu bewundern. Doch je weiter der Tag voranschritt, desto dringlicher wurde unsere Suche nach einem geeigneten Schlafplatz.

Damit hatten wir ehrlich gesagt nicht ganz so viel Mühe erwartet – aber die steilen Berge und felsigen Hügel boten wenig Platz für ein Zelt, geschweige denn für drei. Schließlich entdeckten wir aber aus dem Auto heraus einen potenziellen Spot und parkten etwas weiter am Straßenrand, um ihn genauer unter die Lupe zu nehmen. Mit all unserem Equipment für die Nacht machten wir uns dann mit Sack und Pack auf die erste kleine Abenteuertour.

Mittlerweile war es fast dunkel, aber die Stimmung war großartig – wir freuten uns alle auf die erste Nacht in Norwegens Natur. Nach nur etwa einem Kilometer Fußweg erreichten wir die mögliche Stelle. Landschaftlich war sie atemberaubend: ein kleiner Hügel mit Blick auf den direkt darunter liegenden Fjord und die dahinter aufragenden Berge. Auf den ersten Blick jedoch wirkte der Boden ziemlich steinig und nass, was das Einschlagen der Heringe erschweren würde. Trotzdem blieb uns um diese Uhrzeit kaum etwas anderes übrig, als es zu versuchen. Nach ein paar erfolglosen Versuchen fanden wir schließlich drei halbwegs geeignete Plätze für unsere Zelte.

Der Aufbau war schnell erledigt, und wir konnten endlich nach einem langen Tag zur Ruhe kommen und uns ums Abendessen kümmern. Auf unserem kleinen Campingkocher bereiteten wir einen Eintopf zu und genossen die warme Mahlzeit unter einem sternenklaren Himmel – einem Sternenhimmel, wie ich ihn zuvor noch nie gesehen hatte. Vom gegenüberliegenden Berg hallten immer wieder Tierlaute herüber, vermutlich von einem Elch. Die ganze Szenerie war einfach magisch und genau das, was ich mir immer erträumt hatte.

Satt, zufrieden und voller Glück schlüpften wir schließlich in unsere Zelte und lauschten den Geräuschen der Natur, bis wir einschliefen.

 

Wasserfall am Straßenrand

Tag 3: Vøringsfossen und Härtetest der Ausrüstung auf 1100m

Samstag, 18. Oktober:Nach einer kräftigen Portion Porridge am Morgen bauten wir früh unsere Zelte ab und machten uns auf den Rückweg zum Auto. Unser Plan für den Tag: den Vøringsfossen besichtigen und uns anschließend – möglichst noch bei Tageslicht – einen neuen Übernachtungsplatz suchen.

Die zweistündige Autofahrt führte uns erneut durch atemberaubende Landschaften und entlang malerischer Fjorde, bis wir schließlich immer höher fuhren. Der Wasserfall liegt auf rund 700 Metern Höhe, und je näher wir kamen, desto karger und eindrucksvoller wurde die Umgebung. Der Vøringsfossen ist touristisch gut erschlossen und verfügt über mehrere große Parkplätze. Wir entschieden uns für einen der unteren Parkplätze, um noch ein Stück zu Fuß zu gehen und möglichst viele Perspektiven auf die beeindruckende Szenerie mitzunehmen.

Vor uns öffnete sich eine tiefe Schlucht – und in ihr stürzte der Wasserfall mit einer Fallhöhe von 183 Metern in die Tiefe. Ein Anblick, der kaum in Worte zu fassen ist; man muss ihn selbst gesehen haben, um seine Wucht und Schönheit wirklich zu begreifen. Im Oktober sind warme Kleidung und eine gute Windjacke übrigens Gold wert, denn die Höhe und der ständige Wind sorgen für recht „frische“ Temperaturen. Auch eine gewisse Schwindelfreiheit schadet nicht, da einige Aussichtspunkte spektakulär über den Abgrund hinausragen.

Zurück am Auto machten wir uns weiter ins angrenzende Gebirge auf, um einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Uns war klar, dass wir nicht mehr allzu weit kommen würden und höchstwahrscheinlich in den Bergen übernachten müssten – bei eisigen Temperaturen. Damit stand die Härteprobe für uns und unsere Ausrüstung an: Outdoor-Kleidung, Isomatten, Schlafsäcke – alles musste beweisen, was es konnte.

Wir stellten unser Auto in der Nähe einiger Ferienhäuser ab und marschierten – mit voller Ausrüstung und dick eingepackt – immer weiter bergauf, um einen möglichst ebenen Platz zu finden. Der Weg führte uns durch matschige Wiesen und mehrere rutschige Flussbetten. Schon nach kurzer Zeit merkte ich, dass mein Schuhwerk diesen Bedingungen absolut nicht gewachsen war. Meine Füße waren schnell komplett durchnässt – anfangs noch halb so wild, später jedoch ein echtes Problem.

Nach einigen Kilometern durch schwieriges, aber landschaftlich wunderschönes Gelände erreichten wir ein recht flaches Plateau. Da es bereits dämmerte, entschieden wir uns, dort unser Lager aufzuschlagen. Die Kälte kroch inzwischen deutlich in die Knochen, und wir wollten unbedingt ein Feuer machen – sowohl zum Wärmen als auch zum Kochen. Doch in dieser Höhe war trockenes Holz Mangelware, weshalb die Suche entsprechend lange dauerte. Schließlich gelang es uns aber trotz der Bedingungen, ein Feuer zu entzünden und unser Abendessen zuzubereiten: Käsespätzle mit Speck – ein echter Segen für die Energiereserven.

Und die brauchten wir auch. Die Temperatur sank immer weiter, und vor allem meine Füße fühlten sich inzwischen an wie Eisklumpen. An diesem Abend bereute ich es sehr, keine wasserdichten Schuhe gekauft zu haben. Aber als Student versucht man eben zu sparen und vorhandene Ausrüstung zu nutzen. Selbst das Feuer konnte uns bei rund minus fünf Grad kaum erwärmen, und so verkrochen wir uns schließlich in unsere Zelte – in der Hoffnung, dass Schlafsack und Isomatte zumindest die Nacht über warmhalten würden.

Zum Glück hatten meine Partnerin und ich jeweils ein Schafsfell dabei, das wir auf die Isomatten legten und so eine zusätzliche Isolationsschicht hatten. Es dauerte eine Weile, doch irgendwann wurde es angenehm warm – und nach einem langen, anstrengenden Tag fielen wir erschöpft in den Schlaf.

Tag 4: Spontanität birgt ihre Risiken

Sonntag, 19. Oktober: Die Nacht war kalt, doch in unseren Schlafsäcken blieben wir überraschend warm und mussten nicht frieren. Als wir morgens aus den Zelten krochen, erwartete uns ein unerwarteter Anblick: Es hatte geschneit. Die ersten Sonnenstrahlen tauchten die Landschaft in ein warmes, goldenes Licht – ein wunderschöner Moment nach der frostigen Nacht.

Um die Aussicht noch mehr zu genießen, stiegen wir ein paar Meter weiter bergauf zum Gipfelkreuz auf rund 1100 Metern. Dort frühstückten wir Knäckebrot mit Käse und Wurst – bei den niedrigen Temperaturen ließ sich der Aufschnitt problemlos im Rucksack aufbewahren. Nach dieser Stärkung machten wir uns gegen Mittag an den Abstieg zurück zum Auto.

Dort angekommen, zogen wir sofort frische Kleidung an und hängten die nassen Socken zum Trocknen vor die Lüftung. Nachdem wir unsere Vorräte im Supermarkt aufgefüllt hatten, fuhren wir weiter in Richtung Folgefonna-Nationalpark. Mehrere Zwischenstopps und kleinere Umwege später neigte sich der Tag schon wieder dem Ende zu – und die Frage nach einem geeigneten Übernachtungsplatz stand erneut im Raum.

Überhalb eines Fjordes entdeckten wir eine große Wiese neben einer verlassenen Scheune: flach, weicher Boden, traumhafte Aussicht – eigentlich perfekt. Doch dann fand Tom auf Google Maps einen Bergsee ganz in der Nähe, direkt am Rand des Folgefonna-Gletschers. Die Vorstellung, dort oben am Wasser, umgeben von Bergen und mit Blick auf den Gletscher zu übernachten, ließ uns nicht mehr los. Also machten wir uns auf den Weg.

Was auf der Karte nach einem kurzen Spaziergang aussah, entpuppte sich jedoch schnell als schwierige Tour. Zunächst mussten wir ein trockenes Flussbett mit losen Felsen durchqueren – nicht ungefährlich. Danach folgte ein extrem steiler, mit großen Steinen ausgelegter Weg, der jeden Schritt zur Herausforderung machte. Mit voll beladenen Rucksäcken wurde es zunehmend anstrengend. Nach mehreren hundert Höhenmetern merkten wir, dass wir es an diesem Tag unmöglich noch bis zum Bergsee schaffen würden.

Obwohl es bereits dunkel war, konnten wir erkennen, dass das Gelände weit und breit keinen Platz für drei Zelte bot. Der Boden war steinig, uneben, und Heringe hätten keinerlei Halt gefunden. Übernachten wäre höchstens ohne Zelt möglich gewesen, nur mit Isomatte und Schlafsack. Wir gingen trotzdem noch ein Stück weiter, in der Hoffnung, vielleicht doch noch eine passende Stelle zu finden. Das einzige, was wir fanden, war ein Warnschild: Steinschlaggefahr.

Als wir mit den Taschenlampen nach oben leuchteten, sahen wir sofort warum – ein gewaltiger Felsvorsprung ragte über uns. Zwar waren Netze angebracht, doch diese waren beschädigt, und überall lagen bereits abgebrochene Felsbrocken. Dort zu übernachten kam definitiv nicht infrage.

Also gingen wir weiter – und nur eine Kurve später fanden wir endlich eine Möglichkeit, die in unserer Situation fast schon wie ein Geschenk wirkte: ein Tunnel mitten im Berg. Nach ein paar Metern versperrte zwar ein Gitter den weiteren Weg, doch der Eingangsbereich bot genug Platz zum Schlafen. Wir legten Isomatten und Schlafsäcke auf den steinigen Boden und befestigten sie an der Tunnelwand, damit wir während der Nacht nicht den Abhang hinunterrutschten.

Lustigerweise war der gesamte Tunnelbereich voller Wildlosung, vermutlich von Rotwild. Wir schliefen also buchstäblich „auf Scheiße“ – aber immerhin trocken und halbwegs sicher. Schnell bereiteten wir noch unser Abendessen zu: Nudeln mit Pesto und Parmesan. Die Kalorien taten gut, denn wir waren völlig erschöpft.

Ohne Zelt wirkten die Geräusche der Natur noch intensiver, und obwohl wir im Eingang eines Tunnels lagen, konnte man ein Stück des Sternenhimmels sehen. Ich genoss diesen Ausblick sehr, bevor ich müde und zufrieden in den Schlafsack schlüpfte und schließlich einschlief.

Tag 5: Der Bergsee und die nächste Herausforderung für die Ausrüstung

Montag, 20. Oktober:Wir wachten auf zu einem wunderschönen Morgenhimmel und konnten der Sonne dabei zusehen, wie sie langsam über den Bergkamm stieg. Allzu viel Zeit wollten wir uns trotzdem nicht lassen – schließlich wollten wir immer noch unser eigentliches Ziel dieser Wanderung erreichen: den Bergsee. Also versteckten wir unsere schweren Rucksäcke im Gebüsch, um sie auf dem Rückweg wieder einzusammeln, und machten uns mit deutlich mehr Bewegungsfreiheit auf den engen Bergpfad.

Vor uns lagen noch einige Höhenmeter, doch nach einer Nacht voller Ruhe waren wir wieder voller Energie und Motivation. Diesmal konnten wir die beeindruckende Natur um uns herum richtig genießen: moosbewachsene Felsen, so weich und grün wie Teppich, wilde Flussbetten, in denen das Wasser rauschend talwärts stürzte, und immer wieder traumhafte Ausblicke über Wälder und den Fjord weit unter uns.

Die Wanderung allein wäre schon lohnenswert gewesen – doch als wir nach etlichen Aufstiegen endlich den Bergsee erreichten, verschlug es mir kurz die Sprache. Die Szenerie war so unglaublich schön, dass mir wieder bewusst wurde, warum ich dieses Land so sehr liebe. Vor uns lag ein türkisfarbenes, kristallklares Gewässer, eingerahmt von majestätischen Bergen, die steil wie eine Mauer zum Himmel ragten. Wenige Schritte weiter konnten wir dann auch den Gletscher sehen, der sich an den Berg schmiegte und dessen Schmelzwasser den See in dieses einzigartige Türkis tauchte.

Ich hatte zuvor noch nie einen Gletscher in echt gesehen, und er hatte eine geradezu magische Wirkung auf mich. Ich konnte meinen Blick kaum davon lösen. Natürlich nutzte ich die Gelegenheit, endlich meine Filterflasche zu testen und das eiskalte Gletscherwasser zu probieren. Es war herrlich frisch und schmeckte überraschend gut.

Nach einer kurzen, aber intensiven Genusspause machten wir uns langsam an den Abstieg, holten unsere versteckten Rucksäcke wieder ab und traten den Rückweg zum Auto an. Dieser erwies sich als ebenso anstrengend wie der Hinweg – das steile Gefälle und das Gewicht meiner Ausrüstung machten sich deutlich in den Knien bemerkbar.

Erschöpft, aber glücklich erreichten wir schließlich das Auto und freuten uns darauf, während der Weiterfahrt ein wenig zu regenerieren. Unser Ziel für diesen Tag war der Folgefonna-Nationalpark, wo wir möglichst in der Nähe der anderen Seite des Gletschers übernachten wollten, um am nächsten Tag erneut eine Wanderung dorthin zu unternehmen.

Leider kippte das zuvor stabile und trockene Wetter im Laufe des Tages – Regen und Wind nahmen immer weiter zu. Auf Google Maps hatten wir im Voraus einen See in Gletschernähe entdeckt, der durch ein Wasserkraftwerk sogar mit dem Auto erreichbar war. Also machten wir uns auf den Weg dorthin, in der Hoffnung, trotz des Wetters einen halbwegs windgeschützten Zeltplatz zu finden.

Nach etwa 90 Minuten Fahrt erreichten wir das Ziel – und fanden eine erstaunliche Szenerie vor: kleine Betonbauten, Tunnel, Dämme und technische Anlagen, verstreut wie Relikte einer anderen Welt. Kombiniert mit der kargen, rauen Landschaft und dem schlechten Wetter wirkte die Umgebung fast wie eine Szenerie aus einem Star Wars-Film – unwirklich, verlassen, fast außerirdisch.

Der Regen wurde stärker, der Wind heftiger, und wir fragten uns zunehmend, ob unsere Zelte dem standhalten würden. Für einen kurzen Moment überlegten wir, in einem Seitenarm eines verlassenen Tunnels zu übernachten, verwarfen den Gedanken aber schnell wieder – wir wollten am nächsten Morgen nicht von Kraftwerksmitarbeitern überrascht werden. Außerdem waren wir neugierig, wie gut unsere Ausrüstung den Bedingungen trotzen würde.

Schließlich fanden wir eine ebene Fläche, nicht perfekt, aber brauchbar. Der Boden sah stabiler aus als erwartet, und ein naher Damm versprach zumindest ein wenig Windschutz. Der Aufbau der Zelte im Regen war eine Herausforderung, doch am Ende standen alle – auch wenn die Heringe im durchnässten Boden eher schlecht als recht hielten und sich überall große Pfützen bildeten.

Für ein aufwendiges Abendessen war keine Zeit und schon gar kein Wetter. Also gab es Chili con Carne aus der Dose – schnell, effektiv und bei Regen die beste Lösung. Nachdem wir noch ein paar Heringe nachgeschlagen hatten, die sich bereits gelöst hatten, verkrochen wir uns schließlich in unsere Zelte und vertrauten darauf, dass sie die Nacht überstehen würden.

Mit dem Prasseln des Regens und dem Heulen des Windes über uns hofften wir einfach, am nächsten Morgen nicht ohne Zelt dazustehen.

Tag 6: Wanderung zum Gletscher und ein richtiges Bett

Dienstag, 21. Oktober: An diesem Morgen bekam ich die Augen kaum auf. Die Nacht war viel zu kurz gewesen – der starke Wind und die ständige Sorge um das Zelt hatten mich kaum schlafen lassen. Bis in die frühen Morgenstunden tobte der Wind ununterbrochen, erst gegen acht Uhr beruhigte er sich plötzlich. Müde, aber erleichtert, dass alles gehalten hatte und unser Zelt diese Bewährungsprobe überstanden hatte, kroch ich schließlich hinaus. Der Boden hatte sich inzwischen in eine einzige große Pfütze verwandelt, doch dank der Zeltwanne war es im Inneren glücklicherweise trocken geblieben.

Wir frühstückten am Auto eine Portion Porridge und machten uns, nachdem wir alles abgebaut hatten, zügig auf den Weg zum Gletscher – die trockenen Stunden wollten wir unbedingt nutzen. Laut Wetterbericht hatten wir etwa drei bis vier Stunden Zeit, bevor es wieder ungemütlich werden würde.

Also machten wir uns auf den Weg und versuchten, dem Gletscher so nah wie möglich zu kommen. Wir wanderten querfeldein durch eine steinige Hügellandschaft, immer entlang des Sees, mal bergauf, mal bergab. Von jedem höheren Punkt aus bot sich uns ein etwas besserer Blick auf den Gletscher, und langsam näherten wir uns ihm. Ganz heran würden wir allerdings nicht gelangen – dafür hätten wir den See überqueren müssen, doch nach einem Eisbad war uns an diesem Tag nun wirklich nicht zumute.

Wir gingen also bis zum letzten möglichen Punkt und machten auf einer kleinen Anhöhe nahe des Ufer seine Rast. Von dort aus konnten wir den Gletscher in seiner ganzen Pracht sehen, wie er sich mächtig über die Berge erstreckte. Nur ungern brachen wir wieder auf, doch wir wollten nicht vom angekündigten Unwetter überrascht werden.

Tatsächlich schafften wir es gerade noch rechtzeitig zurück zum Auto, bevor es erneut begann zu regnen und zu stürmen. Da das Wetter für den Rest des Tages ohnehin nicht viel mehr zuließ, fuhren wir weiter zu unserem nächsten Etappenziel: Stavanger. Am kommenden Tag wollten wir die Stadt erkunden und vielleicht ein Museum besuchen. Damit wir den Tag möglichst voll ausnutzen konnten, buchten wir spontan über Airbnb eine Unterkunft in der Stadt. Im Oktober war es zum Glück kein Problem, etwas Bezahlbares zu finden – und die Aussicht auf eine erholsame Nacht in einem richtigen Bett war nach der vorherigen Nacht sehr verlockend.

Nach etwa drei Stunden Autofahrt und einer Fährüberfahrt erreichten wir schließlich unsere Unterkunft. Wir nutzten sofort die Gelegenheit und gönnten uns eine ausgiebige Dusche – bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir nur einmal richtig duschen können, ansonsten hatten wir uns immer nur kurz im eiskalten Fjord baden können. Danach ging es noch etwas essen, und den Abend ließen wir in einem Irish Pub ausklingen. Dass Alkohol in Norwegen extrem teuer ist, blendeten wir in dem Moment komplett aus… entsprechend fielen wir beim Blick auf die Rechnung für vier Guinness dann auch beinahe vom Stuhl. 😀

Trotzdem war es ein rundum gelungener Abend, und schließlich sanken wir glücklich und satt in das ungewohnt weiche Bett.

Tag 7: Stavanger und wieder zurück in der Natur

Mittwoch, 22. Oktober: Diese Nacht war das absolute Gegenteil der vorherigen – wir schliefen wunderbar und starteten voller Energie in den Tag. Zuerst frühstückten wir ganz entspannt in einer kleinen lokalen Bäckerei, bevor wir durch die Stadt schlenderten und uns einen ersten Überblick verschafften. Allzu groß ist Stavanger tatsächlich nicht, stellten wir schnell fest, aber genau das verleiht der Stadt ihren besonderen Charme. Irgendetwas an ihr fühlt sich einzigartig an.

Vor allem das kulinarische Angebot überraschte uns: Restaurants und Imbisse aus aller Welt reihten sich aneinander, und überall duftete es nach etwas Neuem und Leckerem. Wir teilten uns schließlich auf – meine Freunde wollten das Öl-Museum besichtigen, während ich lieber mit meiner Partnerin durch die kleinen Geschäfte und Gassen zog. Mit Englisch kam man problemlos zurecht, und allgemein begegneten uns die Menschen unglaublich freundlich.

Der Tag verging wie im Flug und schon bald machten wir uns wieder auf den Weg, denn für die kommende Nacht brauchten wir erneut einen Platz zum Schlafen – irgendwo draußen in der Natur. Auf dem Weg legten wir einen kurzen Zwischenstopp bei den „Drei Schwertern im Fels“ ein, einer Sehenswürdigkeit, die man von Postkarten oder Social Media kennt. In echt waren sie etwas kleiner als erwartet, aber dennoch beeindruckend – ein kurzer Halt lohnt sich definitiv.

Am späten Nachmittag erreichten wir den Parkplatz zum wohl bekanntesten Aussichtspunkt Norwegens: dem Preikestolen, dem „Predigtstuhl“. Zu unserer Überraschung war der riesige Parkplatz komplett leer – ein extrem seltener Anblick, denn normalerweise ist der Ort stark besucht. Zugegeben: Es regnete seit Stunden, und ein Aufstieg wäre so spät am Tag ohnehin unmöglich gewesen. Dennoch machten wir uns mit Sack und Pack auf den Weg, denn irgendwo mussten wir schließlich übernachten.

Der Weg war gut ausgebaut, und trotz schwerer Rucksäcke kamen wir gut voran. Die ersten Kilometer führten jedoch nur vorbei an sumpfähnlichen Wiesen, also stapften wir weiter und hofften auf geeignetes Terrain. Irgendwann wurde der Boden zwar trockener, dafür aber auch zunehmend felsiger. Inzwischen war es längst dunkel und wir mussten dringend einen Schlafplatz finden.

Wir verließen schließlich den Hauptweg und gingen auf gut Glück in ein dicht bewachsenes Waldstück hinein. Nach ein paar Minuten entdeckten wir tatsächlich eine Stelle, die brauchbar für uns aussah. Der Boden war steinig, aber mit etwas Kreativität ließen sich die Heringe zwischen Wurzeln und Felsritzen unterbringen. Wo nichts hielt, beschwerten wir die Zeltplane einfach mit großen Steinen.

Zum Abendessen gab es Omelett – zum Glück hatte der Regen aufgehört, sodass wir in Ruhe mitten im Wald essen konnten. Es war inzwischen nahezu windstill geworden und so konnten wir ohne Sorgen in unsere Schlafsäcke kriechen, den Tiergeräuschen lauschen und schließlich friedlich einschlafen.

Tag 8: Der Preikestolen

Donnerstag, 23. Oktober: Die Nacht verlief ohne Zwischenfälle und wir erwachten am nächsten Morgen bei wunderbarem Wetter. Die Regenwolken hatten sich verzogen, und zwischen ihnen zeigte sich sogar stellenweise blauer Himmel – perfekte Bedingungen für den Aufstieg zum Preikestolen. Erst jetzt, bei Tageslicht, konnten wir überhaupt erkennen, wo wir gelandet waren. Im Dunkeln des Vorabends war davon kaum etwas zu sehen gewesen. Unsere Zelte standen auf einer kleinen Lichtung im Wald, von der aus man sogar den Fjord und die umliegenden Berge sehen konnte. Ein traumhafter Anblick und ein perfekter Start in den Tag.

Frühstücken wollten wir ganz oben auf dem Preikestolen, also machten wir uns auf den Weg zurück zum eigentlichen Wanderweg und setzten den Aufstieg fort. Inzwischen waren auch andere Wanderer unterwegs. Viele waren überrascht, uns mit unseren schweren Rucksäcken zu sehen, und fragten, ob das nicht viel zu anstrengend sei. Sie hatten ja keine Ahnung, dass diese Wanderung für uns tatsächlich die bisher einfachste war. 😉

Der Weg führte uns durch wunderschöne Natur, vorbei an Felsen, Wäldern und mehreren Aussichtspunkten, von denen man weit über das Land blicken konnte. Schließlich erreichten wir den Preikestolen – und der Moment war einfach überwältigend. Plötzlich steht man am Rand eines steilen Abgrundes, hunderte Meter geht es nahezu senkrecht hinunter… aber der Ausblick ist einmalig. Bei dem klaren Wetter konnten wir den gesamten Fjord bis hin zum Meer überblicken. Sicher einer der beeindruckendsten Ausblicke in ganz Norwegen.

Inzwischen wurde es oben voller, also suchten wir uns ein windgeschütztes Plätzchen einige Meter weiter hinten, um unser geplantes Frühstück zuzubereiten. Mit dem Campingkocher machten wir für jeden eine Portion Porridge – vermutlich das Frühstück mit der schönsten Aussicht unseres ganzen Trips. Nachdem wir noch eine Weile verweilt hatten und das geschäftige Treiben der anderen Besucher beobachtet hatten, machten wir uns langsam an den Abstieg.

Unser Abenteuer neigte sich nun dem Ende zu, denn diese Nacht sollte unsere letzte draußen in der Natur sein. Am nächsten Tag würden wir die Fähre von Kristiansand zurück nach Hirtshals nehmen und danach weiter nach Hause fahren.

Wieder beim Auto angekommen, fuhren wir Richtung Kristiansand und hielten Ausschau nach einem geeigneten Platz für die Nacht. Wir wollten unbedingt irgendwo direkt am Fjord übernachten, denn wir wollten endlich die Angelruten ausprobieren, die wir extra für den Trip eingepackt hatten. Bis dahin hatte sich keine gute Gelegenheit ergeben – schließlich ist Angeln ohne Angelschein nur in Fjorden erlaubt, nicht aber in Seen oder Flüssen.

Wir folgten einer Straße entlang des Fjords und fanden schließlich eine alte, inzwischen verlassene Straße, die um einen Tunnel herumführte, der heute die Hauptroute bildet. Dort gab es eine kleine Freifläche zum Parken und direkt daneben ein Stück Wiese am Ufer des Fjords – der perfekte Ort für unsere letzte Nacht.

Schnell bauten wir die Zelte auf und probierten uns dann an den Angelruten. Theoretisches Wissen hatten wir, praktische Erfahrung eher weniger. Nach einer Weile klappte das Werfen ganz gut, doch gebissen hat natürlich nichts. Inzwischen war es schon dunkel geworden, und als der Regen einsetzte, beschlossen wir abzubrechen und lieber Abendessen zu kochen. Das fiel aber wortwörtlich ins Wasser, denn wir mussten die Nudeln im Campingkocher im Auto zubereiten, weil es draußen wie aus Eimern schüttete. Unserer Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch, und wir krochen satt, zufrieden und lachend in unsere Zelte.

Ein wenig traurig war ich an diesem Abend schon – es war schließlich unsere letzte Nacht draußen und das Abenteuer würde bald vorbei sein. Doch die Dankbarkeit, all das erlebt haben zu dürfen, überwog deutlich.

Tag 9: Zurück nach Hause

Freitag, 24. Oktober: Die letzte Nacht im Zelt war überraschend erholsam, sodass wir gut ausgeruht in unseren Rückreisetag starten konnten. Da die Fähre in Kristiansand erst gegen Mittag ablegen würde, hatten wir noch etwas Zeit und versuchten uns erneut am Angeln. Auch diesmal wollte kein Fisch anbeißen, aber wir hatten trotzdem unseren Spaß am Ufer des Fjords.

Irgendwann wurde es dann Zeit, alles zusammenzupacken und uns auf den Weg zum Fährableger zu machen. Diesmal war deutlich mehr los als auf der Hinreise, aber alles verlief überraschend reibungslos. Wenig später saßen wir schon an Bord, suchten uns ein gemütliches Plätzchen und vertrieben uns die knapp vier Stunden Überfahrt mit Kaffee, Souvenirshopping und nostalgischem Zurückblicken auf die letzten Tage.

Am frühen Abend legten wir in Hirtshals an. Eine letzte große Etappe lag vor uns: die 9-stündige Rückfahrt nach Hause. Zum Glück ohne Stau, oder Zwischenfälle – einfach nur entspannte, dunkle Autobahn und vier müde Abenteurer.

Gegen 3:00 Uhr am Samstagmorgen kamen wir schließlich wieder zuhause an– erschöpft und müde, aber glücklich und mit einem ganzen Rucksack voller Momente, die man für den Rest seines Lebens mit sich herumträgt.